Bildungswerk Stenden

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Politische Bildung in Düsseldorf
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Der Bundestagsabgeordnete Udo Schiefner besucht den Kurs „Politische Bildung“ in der Frauen-JVA Willich II

Pol.Bildung1 JVAPresseerklärung zum Besuch des Bundestagsabgeordneten Udo Schiefner in der Frauen-JVA Willich II am 05.12.17

(Aus Datenschutzgründen habe ich keine Namen der inhaftierten Frauen angeführt)

 

Das beigefügte Foto wurde in einem Unterrichtsraum der JVA aufgenommen und zeigt von links nach rechts: Uli Winkler (Kursleiter), Frau Adams-Dolfen (Leiterin der JVA), Udo Schiefner (MdB)

 

Bereits zum elften Mal leitet Uli Winkler, ehemaliger Lehrer aus Anrath, im Auftrag des Bildungswerks Stenden einen Kurs „Politische Bildung“ in der Frauen-JVA Willich II.

Das Bildungswerk Stenden ist anerkannter Träger politischer Bildung mit Sitz in Düsseldorf. Es hat sich zum Ziel gesetzt, Menschen anzusprechen, die bisher wenig oder gar nicht an Weiterbildung teilnehmen. Daher bietet das Bildungswerk zu dem Thema „Politische Bildung für Strafgefangene“ auch in den Strafvollzugsanstalten NRW`s entsprechende Kursreihen an. Die Haftanstalt Willich II ist die einzige, in der diese auch für Frauen durchgeführt wird. Die Themenauswahl ist stets zielgruppenorientiert und wird regelmäßig kooperativ mit den jeweiligen Teilnehmern abgestimmt. Diese „gelebte Demokratie“ entspricht sowohl der Prämisse der politischen Bildung als auch dem Leitziel des Strafvollzugs in NRW. Demnach sind die Gefangenen zu befähigen, nach ihrer Entlassung aus der Haft ein Leben in sozialer Verantwortung ohne Straftaten zu führen.

Ein Kurs umfasst 8 Doppelstunden und wird im Rahmen der Freizeitgestaltung angeboten. Demzufolge nehmen die inhaftierten Frauen auf eigenen Wunsch und auf Antrag an dem Projekt teil. Solch ein Kurs wird drei Mal im Jahr durchgeführt.

Zu Beginn eines Kurses nennen die Teilnehmerinnen Themen aus allen politischen Bereichen. Gemeinsam wird dann eine Prioritätenliste aufgestellt, die aber jederzeit bei tagesaktuellen Ereignissen unterbrochen oder neu aufgestellt werden kann. So ging es bei dem jetzigen Kurs beispielsweise in der ersten Sitzung um das Thema Ausländerpolitik in Deutschland. Dabei prallten – wie auch in der Gesellschaft außerhalb der Gefängnismauern – die unterschiedlichsten Ansichten aufeinander.

Schon sehr bald entwickelte sich der Wunsch, über die aktuelle Politik nach der Bundestagswahl zu sprechen. Da die Frauen dieser Gruppe ein Radio und einen Fernseher in ihrer Zelle haben, sind sie relativ gut über das politische Geschehen „draußen“ informiert. So entstand die Idee, einen Bundestagsabgeordneten einzuladen, der sozusagen „aus erster Hand“ aus dem Bundestag und über die aktuelle politische Situation zur Regierungsbildung berichten kann. Sowohl die Leiterin der JVA, Frau Adams-Dolfen, wie das dort tätige Lehrpersonal befürworteten den Wunsch und so kam am 05.12. der hiesige Bundestagsabgeordnete für den Kreis Viersen Udo Schiefner in den Unterricht.

Er berichtete zunächst über seinen politischen Werdegang und gab dann in kurzen Auszügen einen Überblick über seine Arbeit im Parlament, in den Ausschüssen und sonstigen Gremien. Insbesondere seine Tätigkeit im Petitionsausschuss ließ die Frauen aufhorchen und die eine oder andere äußerte nach der Veranstaltung den Wunsch, sich mit persönlichen Anliegen an den Abgeordneten zu wenden.Positiv nahmen die Inhaftierten die Mitteilung auf, dass Herr Schiefner vor seiner Parlamentstätigkeit eine berufliche Tätigkeit in einem benachbarten Großunternehmen ausgeübt. „Endlich mal einer aus der Arbeitswelt und kein Rechtsanwalt oder Beamter“ äußerte sich Frau M. dazu.

Anschließend befragten die Teilnehmerinnen des Kurses Herrn Schiefner nach seiner persönlichen Meinung zu dem weiteren Vorgehen der SPD bezgl. einer Regierungsbeteiligung. Leider ließ sich dem Abgeordneten nur die Aussage entlocken, dass weitere Gespräche notwendig seien und er, bzw. seine Partei für alle Möglichkeiten offen stehe. Die Frauen wurden allerdings wesentlich konkreter und sprachen sich bis auf eine für die Fortsetzung einer Großen Koalition aus.

Frau K. fragte dann ganz konkret, wieviel er als Abgeordneter verdiene und er antwortete ebenso direkt, dass er monatlich 9.500,- € brutto erhalte. Zusätzlich bekomme er eine monatliche „gedeckelte“ Pauschale, mit der er ausschließlich Bürokräfte entlohnen kann.

Desweiteren befragten ihn die Frauen zu den Themen Asyl- und Rentenpolitik sowie der sozialen Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft. Hierüber entspann sich eine lebhafte Diskussion, bei der die Frauen nicht immer mit dem Abgeordneten übereinstimmten.

Am Schluss äußerte sich Udo Schiefner sehr positiv über die politischen Kenntnisse der inhaftierten Frauen. „Sie haben mich echt gefordert und ich muss mein bisheriges Urteil über Frauen in Haft revidieren. Sie setzen sich teilweise wesentlich differenzierter mit politischen Fragen auseinander als viele Menschen „draußen“ glauben“, so Udo Schiefner. Er versprach dem Kursleiter Uli Winkler, im nächsten Jahr wiederzukommen.